Die Berliner Stadtplanung
0 Kommentare

Besetztes Haus in Berlin von Björn Kietzmann/Flickr.com
Gute Aussichten auf das Unwort des Jahres hat das Phänomen der „Gentrifizierung“. Zumindest wer in Berlin lebt, hört und liest diesen Begriff immer wieder – ob in Zeitungen, politischen Pamphleten oder auf Graffiti. Damit gemeint ist der Zuzug von besser verdienenden Menschen in ein ärmliches Viertel, oft angelockt von der entspannten Umgebung und niedrigen Preisen. Diese Entwicklung führt längerfristig aber zum kompletten Wandel des Viertels mit steigenden Mieten und der Verdrängung alteingesessener Bewohner. Die Eckkneipe muss einer Modeboutique weichen, Häuser werden saniert und teurer weitervermietet, Menschen mit geringem Einkommen an den Stadtrand verbannt. Genau das passiert gerade im Berliner Bezirk „Kreuzkölln“, der die Schnittstelle zwischen Kreuzberg und dem berüchtigten Neukölln bezeichnet.
Die Berliner Senatsverwaltung hält sich weitestgehend aus der Entwicklung zurück und verweist darauf, dass in Berlin mehr als 100.000 Wohnungen leer stünden. Dabei gibt es gerade in den von Gentrifizierung bedrohten Vierteln kaum noch Wohnungen in öffentlicher Hand. Um Geld zu sparen, wurden diese in der Vergangenheit an private Investoren verkauft, die nun abkassieren. Doch nach dem regierenden Bürgermeister Wowereit sei Wohnen in der Innenstadt eh kein Recht der Berliner. Jahrzehntelang hat sich die “Berliner Mischung” selbst reguliert: Arm und Reich lebten Seite an Seite und inspirierten sich gegenseitig. Nun ist aber Handeln angesagt!
Eine Möglichkeit wäre etwa, beim Verkauf von landeseigenen Baugrundstücken mehr Forderungen im Interesse der Geringverdienenden zu stellen. So könnte die soziale Mischung beibehalten werden und den Investoren trotzdem Gewinne garantiert werden. Etwa wäre es möglich, Wohnungen auf der höchsten Etage teurer anzubieten als solche im Erdgeschoss oder ersten Geschoss. In einem Altbau in der Kreuzköllner Hobrechtstraße funktioniert das auch: Während sich auch Studenten noch die unteren Wohnungen leisten können, wird die Dachetage als Atelier zu einem hohen Preis vermietet.
« Daniel Libeskind und das jüdische Museum Aktuelle Beiträge
Die Fußgängerzone »